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Hoffnung für Volkswagen?

Der Verbrenner verschwindet nicht morgen. Aber die Zeit endet, in der er der deutschen Autoindustrie einen fast natürlichen Vorsprung verschaffte. Volkswagen zeigt nun ein Elektroauto, das 1.278 Kilometer mit nur einer Zwischenladung gefahren ist.

Der Verbrennungsmotor war mehr als ein Antrieb. Er war das technische Zentrum der deutschen Autoindustrie. Einspritzung, Getriebe, Abgasreinigung, Haltbarkeit bei hohem Tempo: Über Jahrzehnte sammelten Volkswagen, Mercedes und BMW Erfahrungen, die neuen Konkurrenten kaum aufholen konnten.

Mit dem Elektroauto verliert dieser Vorsprung an Wert. Der Antrieb wird einfacher, Batterie und Software werden wichtiger, und chinesische Hersteller erhöhen den Preisdruck. Bei Volkswagen gingen die Fahrzeugverkäufe im ersten Halbjahr 2026 um 8,4 Prozent zurück. Das operative Ergebnis sank um 11,6 Prozent. Der Konzern selbst bezeichnet seine Rendite von 3,8 Prozent als zu niedrig.

Doch die deutsche Autoindustrie ist beim Elektroauto keineswegs bedeutungslos. 2025 wurden in Deutschland 1,22 Millionen reine Batterieautos gebaut – mehr als je zuvor. Einschließlich Plug-in-Hybriden waren vier von zehn hier produzierten Pkw elektrifiziert. Deutschland blieb damit nach China der zweitgrößte Produktionsstandort für Elektroautos.

Die Lage ist also widersprüchlich: Das alte Geschäftsmodell verliert seine Sicherheit. Das neue ist längst da, trägt aber noch nicht zuverlässig.

In diese Lage stellt Volkswagen die Mission Efficiency.

Die Konzeptstudie fuhr 1.278,36 Kilometer von Wolfsburg über Poznań und Olmütz nach Wien. Die Batterie wurde unterwegs einmal nachgeladen. Der Verbrauch lag nach Angaben des Herstellers bei 6,89 Kilowattstunden je 100 Kilometer ohne Ladeverluste und bei 7,51 Kilowattstunden einschließlich der Verluste beim Laden. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 67,72 km/h, die Spitze 138 km/h. In Wien zeigte das Fahrzeug noch 164 Kilometer Restreichweite an.

Das Entscheidende ist nicht allein die Zahl. Es ist die Art, wie sie erreicht wurde.

Antrieb und Batterie basieren weitgehend auf der Technik des neuen ID. Polo: MEB+-Plattform, Vorderradantrieb, 99 Kilowatt Leistung und 54,9 Kilowattstunden nutzbare Batteriekapazität. Volkswagen hat also nicht einfach einen riesigen Akku eingebaut. Der Konzern hat versucht, möglichst wenig von dessen Energie zu verschwenden.

Die Mission Efficiency ist lang, niedrig und tropfenförmig. Ihr Luftwiderstandsbeiwert liegt laut VW bei 0,158. Verkleidete Hinterräder, ein geschlossener Unterboden, aktive Kühlluftklappen und besondere Felgendeflektoren verringern Verwirbelungen. Reifen mit sehr niedrigem Rollwiderstand senken weitere Verluste. Solarzellen in Dach und Heckscheibe versorgen Teile des Bordnetzes.

Ab 80 km/h soll das Fahrzeug mehr als 30 Prozent weniger Strom verbrauchen als der Serien-ID. Polo. Bei 140 km/h benötigt es nach Angaben von VW ungefähr so viel Energie wie der ID. Polo bei 100 km/h.

Hier liegt die mögliche neue deutsche Stärke. Beim Verbrenner wurde um jeden Effizienzgewinn im Inneren des Motors gekämpft. Beim Elektroauto verlagert sich die Aufgabe auf das gesamte Fahrzeug: Luftwiderstand, Reifen, Gewicht, Leistungselektronik und Software. Die Präzision bleibt. Nur ihr Gegenstand ändert sich.

Noch ist das allerdings kein Durchbruch für den Markt. Die Mission Efficiency wird nicht verkauft. Ihre Aluminiumstruktur und Bauteile aus CFK-Aramid sind teuer. Die hinteren Sitze eignen sich nur für Personen bis etwa 1,60 Meter. Verkleidete Räder und Tropfenform lassen sich nicht ohne Weiteres auf einen gewöhnlichen Kleinwagen übertragen.

Auch die Rekordfahrt war kein unabhängiger Alltagstest. Knapp 68 km/h im Durchschnitt sagen wenig über Winterbetrieb, Stadtverkehr oder volle Beladung. Der WLTP-Wert der Studie liegt mit 8,4 Kilowattstunden deutlich höher. Der serienmäßige ID. Polo kommt je nach Variante auf etwa 13,3 bis 14,8 Kilowattstunden.

Trotzdem ist die Studie mehr als eine technische Spielerei. Mehr als 25.000 Kunden hatten den elektrischen ID. Polo bereits vor seiner Auslieferung bestellt. Volkswagen verfügt weiterhin über Fabriken, Ingenieure, eine bekannte Marke und die Fähigkeit, Technik in großen Stückzahlen zu bauen. Was fehlt, ist der Beweis, dass der Konzern hohe Effizienz auch bezahlbar in die Serie bringen kann.

Die Mission Efficiency rettet Volkswagen nicht. Dafür braucht es konkurrenzfähige Batterien, bessere Software, niedrigere Kosten und erfolgreiche Modelle – auch in China.

Aber sie widerspricht der einfachen Erzählung, die deutsche Autoindustrie könne nur noch ihre Vergangenheit verteidigen. Einige ihrer alten Fähigkeiten könnten im Elektrozeitalter wieder wertvoll werden: Aerodynamik, Systemdenken und die geduldige Suche nach Verlusten.

Der Verbrennungsmotor machte Volkswagen groß. Die Mission Efficiency ist noch keine Antwort auf die Frage, was danach kommt. Aber sie zeigt, dass Wolfsburg begonnen hat, die richtige Frage zu stellen.

Herkunft: h_35c08bfa6fb4161f · Eintrag im Herkunftsregister mit Fingerabdruck, Signatur und Content Credentials
Konstruktiv 88/100✓ Lösung benannt✓ Belege✓ Grenzen benanntTon: nüchtern

Der Text verbindet einen konkreten technischen Fortschritt mit vielen belegten Zahlen und benennt offen dessen Grenzen.

Der Beitrag beschreibt nicht nur die Schwäche der Autoindustrie, sondern zeigt mit der Effizienzstudie einen konkreten Ansatz und erklärt, warum er relevant sein könnte. Zahlen zu Verbrauch, Produktion und Geschäftszahlen machen die Aussagen nachprüfbar. Besonders stark ist die Einordnung: Der Text sagt klar, dass es sich nicht um ein Serienfahrzeug handelt, dass die Rekordfahrt kein Alltagstest war und welche Nachteile bleiben. Noch besser wäre es mit unabhängigen Stimmen neben den Herstellerangaben und einem Blick darauf, wie Wettbewerber die gleiche Aufgabe lösen.

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