Nicht nur Städte: Index zeigt ganze Hitzelandschaften
Deutschland hat nicht nur städtische Hitzeinseln. Der Grün-Feucht-Kühl-Index (GFKI) des ECONICS Institute weist auch großflächige sommerliche Hitzelandschaften aus. Die Ausgabe 2026 wurde am 14. Juli in Berlin vorgestellt, von Studienleiter Pierre Ibisch und NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger; seither erscheinen regionale Auswertungen, zuletzt für Bayern. Nach einer Erholung 2023 verschlechterte sich der Wert zwei Jahre in Folge: Der Bundesdurchschnitt für 2025 lag 16 Prozent unter dem von 2021, gegenüber 2024 betrug das Minus 7,2 Prozent.
Der Index kombiniert drei Größen: das Vegetationsgrün im September aus Sentinel-Satellitendaten mit zehn Metern Auflösung, den Jahresniederschlag und die Oberflächentemperatur an heißen Tagen. Berechnet werden Werte und Trends für sämtliche 30-mal-30-Meter-Flächen Deutschlands von 2021 bis 2025. Die Art der Landnutzung erklärt der Untersuchung zufolge statistisch fast ein Fünftel der Temperaturunterschiede. Besonders häufig verschlechterten sich intensiv bewirtschaftete Agrarflächen, versiegelte Siedlungen und Kiefernforste im Nordosten; regional fallen die ostdeutschen Länder, die Magdeburger Börde, Franken und Nordrhein-Westfalen ab. Positive Entwicklungen zeigen sich in Teilen des Schwarzwalds, im Alpenraum und im Nationalpark Harz, wo sich nach dem großflächigen Fichtensterben neuer Wald entwickelt. Aus dem Index hat das Institut eine „Karte der Natürlichen Infrastruktur" mit fünf Vorrangkategorien abgeleitet; der NABU fordert auf dieser Grundlage die Umsetzung der EU-Renaturierungsverordnung und ein Bundesgesetz für natürliche Infrastruktur.
Der GFKI ist ein zusammengesetzter Index, keine Artenzählung und keine Temperaturmessreihe des Deutschen Wetterdienstes. Ein Rückgang um 16 Prozent bedeutet weder 16 Prozent weniger Niederschlag noch 16 Prozent weniger Kühlleistung. Die Autoren weisen selbst darauf hin, dass die Werte mit dem Wetter eines Jahres schwanken; der Beobachtungszeitraum ist mit fünf Jahren kurz, und 2021 bis 2025 waren laut Bericht die fünf wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen. Die statistischen Zusammenhänge zwischen Landnutzung, Grün, Temperatur und Niederschlag belegen für sich keine Ursache. Auftraggeber und Mitherausgeber ist der NABU, ein Naturschutzverband mit eigenen politischen Forderungen; das ECONICS Institute wurde unter anderem von Pierre Ibisch und Peter Wohlleben gegründet. Eine unabhängige Begutachtung der Methode ist nicht dokumentiert.
Die Karten zeigen erstmals für ganz Deutschland, welche Flächen sich erholen und wo Hitze und Trockenheit zunehmen. Ob sich der Rückgang 2026 fortsetzt, zeigt die nächste Ausgabe, die nach dem bisherigen Rhythmus im Sommer 2027 erscheint. Bericht, Methodik und Karten sind beim NABU und beim ECONICS Institute abrufbar.
Sehr gut belegter, nüchterner Text mit klaren Handlungsansätzen und ungewöhnlich ehrlicher Einordnung von Methodik, Interessen und Unsicherheiten.
Der Text nennt konkrete Zahlen, Datenquellen und Zeiträume und macht transparent, wer die Studie beauftragt hat und welche Grenzen der Index besitzt. Lösungsorientiert wirkt er durch positive Beispiele wie den Harz oder den Schwarzwald sowie durch die abgeleitete Karte und die politischen Vorschläge. Etwas schwächer bleibt, dass die Wirksamkeit der geforderten Maßnahmen nicht belegt wird und konkrete Erfahrungen vor Ort fehlen. Mehr Hinweise darauf, was einzelne Regionen bereits erfolgreich umgesetzt haben, würden den Text noch stärker machen.
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