Größter deutscher Offshore-Windpark geht in Betrieb
Vollständig hochgefahren ist er noch nicht: Mehr als zwei Drittel der 64 Anlagen haben Strom geliefert, die volle Leistung soll im Oktober folgen. Der Park kostete 2,4 Milliarden Euro und kommt als erster großer deutscher Seewindpark ohne garantierte EEG-Vergütung aus; den Strom kaufen Unternehmen über langfristige Verträge.
Die Rotoren drehen sich in der Nordsee, gefeiert wurde in der Hamburger HafenCity, mit Bundesumweltminister Carsten Schneider, der sagte, das Projekt mache Deutschland unabhängiger von fossiler Energie. Nach Angaben des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie ist He Dreiht der leistungsstärkste deutsche Windpark auf See. Gebaut wurde seit Mai 2024, die letzte der 64 Anlagen stand am 12. August.
Die 64 Vestas-Anlagen leisten je 15 Megawatt bei einem Rotordurchmesser von 236 Metern und einer Nabenhöhe von 142 Metern, zusammen 960 Megawatt. EnBW beziffert die Investition auf 2,4 Milliarden Euro, davon 600 Millionen als langfristiges Darlehen der Europäischen Investitionsbank, und den rechnerischen Jahresertrag auf 3,6 Milliarden Kilowattstunden, den Verbrauch von rund 1,1 Millionen Haushalten. Das Projekt erhielt im April 2017 in der ersten deutschen Offshore-Auktion den Zuschlag mit einem Gebot von null Cent, also ohne Anspruch auf EEG-Vergütung. Den Strom verkauft EnBW stattdessen über langfristige Lieferverträge, unter anderem an Google, Deutsche Bahn, Bosch, Evonik, Salzgitter, Fraport, die Telekom-Tochter PASM und SHS Stahl-Holding Saar. EnBW hält 50,1 Prozent des Parks; 49,9 Prozent teilen sich Allianz, der dänische Fondsmanager AIP und die norwegische Zentralbank. Den Netzanschluss baute der Übertragungsnetzbetreiber TenneT mit einer Konverterplattform auf See und zwei Gleichstromkabeln, 120 Kilometer unter Wasser und 110 an Land.
Eröffnung bedeutet nicht Vollbetrieb: Bislang haben mehr als zwei Drittel der Anlagen eingespeist, die volle Kapazität erwartet EnBW im Oktober. Auch 960 Megawatt installierte Leistung sind keine dauerhafte Einspeisung; bei wenig Wind fällt die Produktion geringer aus, die 1,1 Millionen Haushalte sind eine Modellrechnung, kein gemessener Jahreswert. „Ohne EEG-Zuschlag" heißt nicht ohne öffentliche Infrastruktur: Den Netzanschluss finanziert TenneT, die Kosten tragen alle Stromkunden über die Netzentgelte. Und in den 10,8 Gigawatt deutscher Offshore-Leistung zur Jahresmitte waren erste Anlagen von He Dreiht bereits enthalten, der Park ist also kein zusätzlicher Sprung in der Statistik.
Im Oktober soll der gesamte Park erstmals mit voller Leistung verfügbar sein, danach zählt der tatsächliche Jahresertrag. Das Ausbauziel bleibt deutlich größer: Bis 2030 sollen in deutschen Gewässern 30 Gigawatt Offshore-Leistung installiert sein, fast das Dreifache des heutigen Bestands. Technische Daten und Lieferverträge hat EnBW auf seiner Projektseite veröffentlicht.
Der Text schildert einen konkreten Fortschritt mit vielen belegten Zahlen und benennt offen Einschränkungen wie Teilbetrieb, Modellrechnung und Netzkosten.
Der Bericht zeigt eine konkrete Antwort auf die Frage, wie Offshore-Windkraft ohne staatlich garantierte Vergütung gebaut werden kann, und untermauert das mit Leistung, Kosten, Finanzierung und Abnehmern. Zugleich relativiert er die Erfolgsmeldung ehrlich: Der Park läuft noch nicht voll, der Haushaltsvergleich ist eine Rechnung, und der Netzanschluss wird von allen Stromkunden mitbezahlt. Der Ton bleibt sachlich, ohne Werbesprache. Noch stärker wäre der Text mit unabhängigen Stimmen neben Betreiber und Ministerium sowie einem Blick darauf, ob das Nullcent-Modell auf weitere Projekte übertragbar ist.
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