Wohnungsbau: Das Material ist da, die Aufträge fehlen
Das ifo-Geschäftsklima im Wohnungsbau stieg im August von minus 29,0 auf minus 22,7 Punkte. Der Sprung beruht fast vollständig auf den Erwartungen: Dieser Indikator verbesserte sich von minus 35,6 auf minus 23,3 Punkte, die Beurteilung der laufenden Geschäfte blieb unverändert schwach. Grund für die neue Zuversicht sind steigende Baugenehmigungen: Im ersten Halbjahr 2026 wurden nach dem Statistischen Bundesamt 126.300 Wohnungen genehmigt, 15,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, im Juni allein 13,8 Prozent mehr. Die Unternehmen hoffen, dass daraus in den kommenden Monaten Aufträge werden.
Auf den Baustellen ist die Wende noch nicht angekommen. Der Anteil der Firmen mit Auftragsmangel lag im August bei 41,3 Prozent, praktisch unverändert nach 41,2 Prozent im Juli; im Juni waren es noch 43,7 Prozent. Die Stornierungen nahmen leicht zu: 13,4 Prozent der Unternehmen meldeten abgesagte Projekte, nach 13,1 Prozent im Juli und 11,4 Prozent im Juni. Deutlich entspannt hat sich die Materialversorgung: Nur noch 2,9 Prozent berichteten von Engpässen, im Juli waren es 8,5 Prozent, im Juni 9,7. Der Flaschenhals hat sich damit verschoben. Baumaterial ist verfügbar, doch zu wenige genehmigte Vorhaben werden zu Bauaufträgen. Von der Genehmigung bis zur Fertigstellung vergehen nach ifo-Berechnung inzwischen im Schnitt 27 Monate, sechs Monate mehr als 2020.
Der ifo-Wert beruht auf einer Unternehmensbefragung. Die Minuspunkte sind ein Stimmungsindikator, keine prozentuale Veränderung der Bautätigkeit; die Vormonatswerte werden zudem revidiert, für Juli hatte ifo zunächst minus 29,3 gemeldet. Eine Genehmigung ist noch kein Auftrag und erst recht keine fertige Wohnung. Das ifo Institut rechnete im Juli für 2026 mit 185.000 fertiggestellten Wohnungen nach 207.000 im Jahr 2025, dem niedrigsten Stand seit rund 15 Jahren, und für 2027 mit 195.000; bis 2028 bleibe die Zahl etwa 17 Prozent unter dem Niveau von 2024. ifo-Branchenexperte Ludwig Dorffmeister verweist auf den Iran-Krieg und steigende Baupreise, die Bauherren das Leben wieder schwerer machten. Der bessere Augustwert ist deshalb ein Hoffnungsschimmer, keine Trendwende.
Entscheidend sind nun drei Zahlen: Auftragsmangel, Stornierungen und Fertigstellungen. Erst wenn sie sich bewegen, ist die Zuversicht auf den Baustellen angekommen. Die nächste ifo-Befragung für September erscheint Mitte Oktober, die Genehmigungszahlen für Juli veröffentlicht Destatis in diesen Tagen.
Sehr gut belegter, nüchterner Text, der Fortschritt zeigt, Einschränkungen offenlegt und konkrete Prüfgrößen benennt.
Der Text stützt sich durchgehend auf konkrete Zahlen von ifo und Statistischem Bundesamt und ordnet die Verbesserung ein, statt sie als Wende zu verkaufen. Er erklärt ausdrücklich, was ein Stimmungsindikator aussagt, dass Werte revidiert werden und dass eine Genehmigung noch keine Wohnung ist. Positiv ist auch der Hinweis, welche drei Kennzahlen und welche Termine künftig Klarheit bringen. Etwas mehr Gewicht bekäme der Text, wenn er benennen würde, welche Hebel die langen 27 Monate bis zur Fertigstellung verkürzen könnten und wer daran arbeitet.
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