57 Prozent Ökostrom in der ersten Jahreshälfte 2026
Solaranlagen erreichen ihr Jahresziel schon im Sommer, bei der Windkraft an Land fehlen zur Jahresmitte 14 Gigawatt zum gesetzlichen Ziel. Ein Teil des hohen Anteils kommt vom Wetter, weil nach dem windarmen Vorjahr wieder normalere Windverhältnisse herrschten.
Deutschland erzeugt mehr erneuerbaren Strom, doch der Ausbau verläuft ungleich. Die Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik beim Umweltbundesamt zählte in ihrer Halbjahresbilanz vom 15. Juli rund 153 Terawattstunden für Januar bis Juni 2026, sechs Prozent mehr als die 145 Terawattstunden ein Jahr zuvor. Damit deckten Wind, Sonne, Wasser und Biomasse etwa 57 Prozent des Bruttostromverbrauchs. Die Branchenverbände BDEW und ZSW hatten am 1. Juli 58 Prozent gemeldet.
Von der erneuerbaren Stromproduktion entfielen rund 45 Prozent auf Windkraft und 34 Prozent auf Photovoltaik, Biomasse lieferte 15 Prozent, Wasserkraft fünf. Nach der Rechnung von BDEW und ZSW legte Wind an Land um sieben Prozent auf 52,9 Terawattstunden zu, Wind auf See um 28 Prozent auf 15,0, Photovoltaik um knapp vier Prozent auf 52,4; Wasserkraft fiel wegen geringer Niederschläge um knapp acht Prozent. Bei der Solarenergie kamen im ersten Halbjahr etwa acht Gigawatt neue Leistung hinzu, das Jahresziel von 128 Gigawatt wird deshalb bereits im Sommer erreicht. Bei der Windkraft an Land waren zur Jahresmitte etwa 70 Gigawatt installiert, netto zwei Gigawatt mehr als zu Jahresbeginn; das gesetzliche Ziel von 84 Gigawatt bis Jahresende wird nach Einschätzung des Umweltbundesamts deutlich verfehlt. Die steigende Ökostromproduktion verdrängte zudem nicht jede konventionelle Kilowattstunde: Die konventionelle Erzeugung nahm gegenüber dem Vorjahreshalbjahr leicht von 109,3 auf 111,3 Terawattstunden zu, weil insgesamt mehr Strom erzeugt und verbraucht wurde, 263,5 Terawattstunden Erzeugung bei 262,4 Terawattstunden Verbrauch. In den anderen Sektoren wuchsen die Erneuerbaren langsamer: Wärme plus drei Prozent auf 121 Terawattstunden, Verkehr plus 13 Prozent auf 27 Terawattstunden.
Die Halbjahresquote hängt stark vom Wetter ab. Anfang 2025 war ungewöhnlich windarm, 2026 lagen die Windgeschwindigkeiten wieder näher am langjährigen Mittel, und die Sonneneinstrahlung lag über dem Durchschnitt. Ein Teil des Zuwachses stammt daher vom Wetter, nicht von neuen Anlagen. Das Umweltbundesamt kommt auf 57 Prozent und 153 Terawattstunden, BDEW und ZSW auf 58 Prozent und 152,2 Terawattstunden; Grundlage sind unterschiedliche vorläufige Berechnungen und Rundungen, der Trend ist derselbe. Die Quote betrifft nur Strom, der etwa ein Fünftel des gesamten Energieverbrauchs ausmacht; Wärme und Kraftstoffe bleiben weit zurück. Die Zahlen sind zwei Monate alt, eine Bilanz für das dritte Quartal liegt noch nicht vor.
Für die Jahresbilanz entscheidet das Wetter im zweiten Halbjahr. Für den Umbau ist wichtiger, ob aus den inzwischen zahlreicheren Windkraftgenehmigungen Anlagen werden; BDEW-Chefin Kerstin Andreae drängt auf die Verabschiedung der Novellen von EEG und Windenergie-auf-See-Gesetz im Bundestag. Die Jahresbilanz 2026 legt das Umweltbundesamt im Frühjahr 2027 vor, die Verbände Ende Dezember eine erste Schätzung.
Sehr faktenreiche, nüchterne Bilanz mit klaren Fortschritten, offen benannten Lücken, Wettereffekten und Quellenunterschieden.
Der Text zeigt nicht nur Probleme, sondern auch messbare Fortschritte beim Ausbau und benennt konkrete nächste Schritte wie die anstehenden Gesetzesnovellen. Zahlen, Zeitpunkte und Quellen sind durchgehend genannt, auch abweichende Werte von Behörde und Verbänden werden erklärt. Vorbildlich ist die Offenheit über Grenzen: Wettereinfluss, Datenalter, gestiegene konventionelle Erzeugung und der Rückstand bei Wärme und Verkehr. Noch stärker wäre der Text mit Hinweisen darauf, woran der Ausbau an Land konkret hängt und was andernorts bereits funktioniert.
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