Acht Milliarden Euro Wandern – gepflegt von 20.000 Ehrenamtlichen
Die Wege selbst kosten nichts. Instand gehalten werden sie von rund 20.000 Ehrenamtlichen, die jedes Jahr etwa 350.000 Stunden unbezahlt Schilder und Markierungen pflegen – auf einem Netz von über 300.000 Kilometern. Eine Kostenrechnung für dieses Netz gibt es nicht.
Die Ausgaben stammen aus dem Wandermonitor der Ostfalia Hochschule, einer Onlinebefragung von 1.079 Wandernden. Für Ausrüstung gaben sie in zwei Jahren im Mittel 445 Euro an, der Median liegt bei 300 Euro. Auf einer Tageswanderung in der Freizeit kommen rund 20 Euro dazu, im Urlaub gut 60, auf einer Mehrtagestour rund 72 Euro plus Übernachtung. Deshalb werben ländliche Regionen um Urlaubsgäste: Hotels bieten Schuhtrockner, Wäscheservice, Sauna und regionale Küche.
Die 7,8 Milliarden sind eine mündliche Verbandsangabe; eine Methode ist nicht veröffentlicht. Die einzige dokumentierte Untersuchung, eine BMWi-Studie von 2010, kam auf 11 Milliarden Euro Umsatz, aber nur 3,7 Milliarden Wertschöpfung. Ob die neue Zahl dasselbe misst, ist offen. Auch der Wandermonitor befragt nur Wandernde, nicht die Bevölkerung. Der Verband meldet zugleich Nachwuchsmangel bei den Wegewarten und Haftungsrisiken im Wald.
43 Prozent der Befragten könnten sich Wegegebühren vorstellen, 46 Prozent lehnen sie ab; wer zahlen würde, nennt im Median fünf Euro. In Südtirol kassierte ein Grundeigentümer an der Seceda genau diese fünf Euro – und löste eine Empörungswelle aus. Am Pragser Wildsee kostet stattdessen die Zufahrt; zu Fuß ist sie frei.
Sehr belegstarker, methodenkritischer Text, der Finanzierungsansätze wie Wegegebühren zeigt, aber keine klar tragfähige Lösung ausarbeitet.
Der Text arbeitet mit vielen konkreten Zahlen und nennt deren Quellen, etwa die Hochschulbefragung und die ältere Ministeriumsstudie. Besonders stark ist die ehrliche Einordnung: Er sagt offen, dass eine Milliardenzahl nur mündlich stammt, dass die Methode fehlt und dass nur Wandernde befragt wurden. Lösungsansätze klingen an, etwa Wegegebühren oder Zufahrtsentgelte wie in Südtirol, bleiben aber Beispiele ohne Bewertung, ob sie funktionieren. Mehr Tiefe zu erprobten Modellen der Wegefinanzierung und zur Nachwuchsgewinnung bei Ehrenamtlichen würde den Text konstruktiver machen.
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