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Ist Digital längst Deutschlands Leitindustrie?

Der Digitalverband BVDW und das Analyseinstitut ISTARI.AI haben am 16. September eine Studie vorgelegt, nach der die Digitalwirtschaft in Deutschland 2025 eine Bruttowertschöpfung von 481,5 Milliarden Euro erreicht hat, knapp zwölf Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung.

Die Studie „Vermessung der Digitalwirtschaft" beginnt mit einer anderen Frage als die amtliche Statistik: Sie sortiert Unternehmen danach, womit sie ihr Geld verdienen, statt nach dem Wirtschaftszweig, dem sie formal zugeordnet sind. Dafür ließ der BVDW mit ISTARI.AI, einer Ausgründung des Leibniz-Zentrums ZEW, die Webseiten von rund 1,4 Millionen Unternehmen automatisiert auswerten. Das Ergebnis für 2025: 481,5 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung, 11,91 Prozent der gesamten deutschen Bruttowertschöpfung von 4,04 Billionen Euro. Dem stellt die Studie den Automobilbau mit etwa 4,5 bis 5 Prozent nach Destatis-Daten gegenüber.

Zum digitalen Kern zählt die Studie rund 63.000 Unternehmen mit digitalen Produkten und Dienstleistungen wie Software und Plattformen; ihre Wertschöpfung: 192 Milliarden Euro oder 4,75 Prozent. Weitere 166.000 Firmen erwirtschaften knapp 289 Milliarden Euro mit Geschäftsmodellen, die ohne digitale Technik nicht funktionieren, etwa im Onlinehandel. Zusammen sind das 229.000 Unternehmen mit rund neun Millionen Beschäftigten, 95 Prozent davon kleine und mittlere Betriebe. Hinzu kommen 124.000 Unternehmen aus klassischen Branchen, deren Geschäft stark digitalisiert ist, mit 531 Milliarden Euro. Mit ihnen steigt die digital geprägte Wertschöpfung auf 1,01 Billionen Euro oder 25,04 Prozent, mit rund 15 Millionen Beschäftigten. Die höchsten Digitalisierungsgrade weisen München, Hamburg, Berlin, Darmstadt und Frankfurt auf, ländliche Regionen liegen deutlich zurück. BVDW-Präsident Dirk Freytag folgert daraus, Digitalpolitik müsse als Wirtschaftspolitik verstanden werden.

Die Schlagzeile „doppelt so groß wie die Autoindustrie" klingt genauer, als der Vergleich ist. Der Automobilbau wird von Destatis als klar begrenzter Wirtschaftszweig erfasst. Die Digitalwirtschaft der Studie ist eine modellierte Querschnittsgröße, die IT-Unternehmen, Onlinehändler, Banken und Teile klassischer Industrien zusammenführt; ein Teil ihrer Wertschöpfung steckt in der amtlichen Statistik bereits in anderen Branchen, auch im Automobilbau selbst. Entscheidend ist zudem, was Unternehmen auf ihren Webseiten über ihr Geschäft darstellen; interne Prozesse oder wenig sichtbare Tätigkeiten können unter- oder überschätzt werden. Herausgeber ist mit dem BVDW ein Interessenverband der Digitalwirtschaft, der mit der Zahl politische Forderungen verbindet. Eine unabhängige Vergleichsmessung nennt der Bericht nicht. Die Studie liefert einen Ausgangswert für 2025, keine Entwicklung über mehrere Jahre.

Ihre belastbarste Aussage lautet deshalb: Digitale Wertschöpfung ist in Deutschland wesentlich größer, als die klassischen Branchengrenzen erkennen lassen. Ob sie mehr als doppelt so groß ist wie der Automobilbau, hängt davon ab, wo man die Grenze des Digitalen zieht. Ob der Verband die Messung jährlich wiederholt, ist nicht angekündigt. Studie und Methodik stehen auf bvdw.org.

Herkunft: h_a2064abfe6789c7e · Eintrag im Herkunftsregister mit Fingerabdruck, Signatur und Content Credentials
Konstruktiv 76/100✗ Lösung benannt✓ Belege✓ Grenzen benanntTon: nüchtern

Sehr faktenreicher, methodenkritischer Text mit klarer Benennung von Grenzen und Interessenlage, aber ohne konkreten Lösungsansatz.

Der Text nennt viele überprüfbare Zahlen, die Datenquelle und das Erhebungsverfahren und ordnet sie ein. Besonders stark ist die ehrliche Einordnung: Er erklärt, warum der Vergleich mit der Autoindustrie hinkt, weist auf den Interessenverband als Herausgeber hin und benennt offene Fragen wie die fehlende Zeitreihe. Was fehlt, ist eine konkrete Antwort oder ein beschriebener Fortschritt, denn der Hinweis auf Digitalpolitik bleibt allgemein. Konkrete Beispiele, wie sich digitale Wertschöpfung besser messen oder in ländlichen Regionen stärken ließe, würden den Text konstruktiver machen.

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