Weniger Kokainfunde trotz weiterhin hohem Angebot
Innenminister Alexander Dobrindt und BKA-Präsident Holger Münch stellten die beiden Lagebilder zu Rauschgift und organisierter Kriminalität am 15. September in Berlin vor. 2.150 Menschen starben im Zusammenhang mit Drogenkonsum, etwa so viele wie im Vorjahr.
Weniger Kokainfunde, aber kein kleinerer Markt: Das ist der auffälligste Befund der beiden BKA-Lagebilder für 2025. Das BKA spricht von einem hohen Angebot. Ein Kilogramm Kokain kostete 2025 im Großhandel noch etwa 26.000 Euro, der Preis sei stark rückläufig. Das BKA verweist darauf, dass mehr Kokain über Häfen in Spanien und Frankreich nach Europa gelangt; von den 10,1 Tonnen in Deutschland wurden 6,5 Tonnen in deutschen Häfen gefunden.
Die Behörden führten 683 Verfahren gegen organisierte Kriminalität, 5,6 Prozent mehr als 2024. Die Zahl der Tatverdächtigen stieg um gut 13 Prozent auf 7.988, der höchste Wert seit fünf Jahren. Rund 69 Prozent der Verfahren hatten internationale Bezüge, bei knapp 37 Prozent ging es hauptsächlich um Drogen. Im Umfeld dieser Verfahren wurden 20 vollendete Tötungsdelikte und 100 Körperverletzungen erfasst, nach 13 beziehungsweise 77 im Vorjahr. Der festgestellte Schaden stieg von 1,6 auf 2,78 Milliarden Euro; mehr als eine Milliarde davon entfiel auf ein einziges Betrugs- und Geldwäscheverfahren. Das BKA beschreibt eine Arbeitsteilung nach dem Prinzip „Crime as a Service": Logistik, Waffenbeschaffung und Geldwäsche werden zunehmend als Dienstleistung über digitale Kanäle angeboten. Das Rauschgiftlagebild zählt 39.414 Kokain- und Crackdelikte, 1,9 Prozent mehr als 2024 mit 38.671. Die Reinheit nahm im Groß- und Zwischenhandel zu, im Straßenhandel leicht ab. Die Zahl entdeckter Cannabisplantagen stieg um 55 Prozent auf 567, die sichergestellte Marihuana-Menge verdreifachte sich. Bei 177 Todesfällen wurden neue psychoaktive Stoffe festgestellt, 23 mehr als 2024.
Eine Sicherstellungsmenge misst Polizeifunde, nicht die Größe des Marktes. Einzelne Großlieferungen, veränderte Schmuggelrouten oder Kontrollschwerpunkte können den Jahreswert stark verschieben. Auch die 683 OK-Verfahren sind keine Zählung krimineller Gruppen, sondern der Ermittlungen; ein Verfahren kann viele Verdächtige und Straftaten umfassen. Der Schadenssprung geht zu mehr als einem Drittel auf einen einzigen Fall zurück. Unklar bleibt eine Rechendifferenz im Rauschgiftlagebild: Es nennt für Straftaten ohne Cannabis einen Rückgang um 4,6 Prozent auf 122.082; aus den dort abgebildeten Werten 126.759 für 2024 und 122.082 für 2025 ergibt sich rechnerisch ein Minus von rund 3,7 Prozent. Das BKA hat die Differenz bislang nicht erklärt.
Dobrindt will die Ermittlungen stärker auf die Gewinne der Netzwerke richten statt auf Kuriere. Ob das gelingt, lässt sich künftig an den eingezogenen Vermögenswerten ablesen, die das OK-Lagebild jährlich ausweist. Für den Kokainmarkt sind Preis und Reinheit die aussagekräftigeren Größen als die beschlagnahmte Menge. Die nächsten Lagebilder erscheinen im Herbst 2027; beide Berichte für 2025 stehen als PDF auf bka.de.
Faktenreicher, nüchterner Bericht mit klarer Einordnung der Statistikgrenzen und einem überprüfbaren Handlungsansatz, jedoch schwacher Lösungsteil.
Der Text nennt viele konkrete Zahlen, Quellen und Zeitpunkte und macht transparent, was Sicherstellungsmengen und Verfahrenszahlen aussagen und was nicht. Besonders stark ist der Hinweis auf eine ungeklärte Rechendifferenz und auf den Einzelfall, der den Schadenssprung erklärt. Als Antwort wird nur die angekündigte Strategie des Ministers genannt, verbunden mit einem prüfbaren Maßstab. Mehr zu bereits nachgewiesenen Wirkungen solcher Ansätze oder zu Erfahrungen aus anderen Ländern würde den Lösungsteil deutlich stärken.
KI-Einschätzung nach festen Kriterien. So bewerten wir →