EU und Kanada wollen enger zusammenrücken
Zwischen 2016 und 2025 ist der Handel zwischen der Europäischen Union und Kanada um 80 Prozent gewachsen. Nun wollen beide Seiten auch politisch enger zusammenrücken: Zum Abschluss ihres Gipfels in Montreal, der größten Stadt der kanadischen Provinz Québec, sollen sie am 30. Oktober eine Reihe gemeinsamer Vorhaben vereinbaren, wie das Handelsblatt berichtet. Damit wollen sie ihre Abhängigkeit von China und den USA unter Präsident Donald Trump verringern.
Laut dem Entwurf der Abschlusserklärung und einer Rede von Ursula von der Leyen, der Präsidentin der EU-Kommission, geht es unter anderem um Energie und Rohstoffe. Eine Machbarkeitsstudie soll prüfen, ob Kanada Flüssigerdgas nach Europa exportieren kann. Kanada und die Europäische Investitionsbank, die Förderbank der EU, haben bereits ein Abkommen ausgehandelt, das europäische Investitionen in kanadische Rohstoffe wie seltene Erden erleichtern soll. Die Importe kritischer Rohstoffe aus Kanada stiegen laut EU-Angaben von 2024 auf 2025 um 62 Prozent. Dazu kommen ein Digitalhandelsabkommen und eine stärkere Einbindung Kanadas in das Austauschprogramm Erasmus+.
Vieles steht bisher nur im Entwurf. Selbst das Freihandelsabkommen Ceta wird seit 2017 nur vorläufig angewendet, weil manche EU-Staaten es nicht ratifiziert haben. Bundeskanzler Friedrich Merz lehnt von der Leyens Begriff der assoziierten Mitgliedschaft ab; er wurde aus dem Erklärungsentwurf gestrichen. US-Präsident Trump drohte für den Fall, dass die Annäherung US-Interessen schadet, mit hohen Zöllen.
Als Nächstes soll die Abschlusserklärung in Montreal verabschiedet werden. Bis zum nächsten Gipfel im Jahr 2027 soll dann ein Konzept für eine engere Anbindung Kanadas an die EU entstehen, ohne Vollmitgliedschaft. Von der Leyen hält trotz des Widerstands mehrerer EU-Staaten an der Idee einer assoziierten Mitgliedschaft fest.
Der Text beschreibt sachlich geplante Kooperationsschritte mit Zahlen und Quellen und benennt Widerstände, Entwurfsstatus und Trumps Zolldrohung offen.
Der Text zeigt konkrete Vorhaben wie eine Machbarkeitsstudie zu Flüssigerdgas, ein Digitalhandelsabkommen und Erasmus+ und stützt sie mit Zahlen, etwa 80 Prozent Handelswachstum und 62 Prozent mehr Rohstoffimporte. Er ist ehrlich über offene Punkte: vieles steht nur im Entwurf, Ceta gilt nur vorläufig, und Merz lehnt die assoziierte Mitgliedschaft ab. Etwas fehlt noch: Es wird kaum eingeordnet, wie wirksam die Schritte gegen die Abhängigkeit von China und den USA wirklich wären, und Stimmen von Fachleuten gibt es nicht. Der Score stiege mit solchen Einschätzungen und unabhängigen Quellen.
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