Spanien: Funkverkehr deutet auf Fehler der Leitstelle hin
Auf der Strecke südlich von Madrid stand ein Zug, als der nächste von hinten heranfuhr. Nach dem Unglück bei Urda in der Provinz Toledo ist die Zahl der Toten auf 69 gestiegen, wie der Spiegel am 29. Oktober berichtet. Am Mittwochmorgen war dort ein Hochgeschwindigkeitszug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe auf einen Zug des privaten Unternehmens Iryo aufgefahren. Spanische Medien zitieren Funkverkehr, der mögliche Fehler der Leitstelle zeigt.
Verkehrsminister Óscar Puente nennt die Entscheidung der Leitstelle »unerklärlich« und »falsch«: Das automatische Zugsicherungssystem arbeitete nach einem Computerausfall noch nicht wieder, trotzdem erhielt der Renfe-Zug grünes Licht. Laut spanischen Medien fragte der Lokführer »Normale Fahrt?« und bekam ein »Ja«, obwohl der Iryo-Zug rund 25 Kilometer voraus stand. Erlaubt sind auf dem Abschnitt laut dem Sender RTVE 200 Kilometer pro Stunde; nach Angaben der Regierung, die »El País« wiedergibt, hätten höchstens 40 gelten müssen, auf Sicht. Etwa fünf Minuten später folgte die Kollision, mehr als hundert Menschen wurden verletzt.
Die Audioaufnahmen sind bislang nur über spanische Medien bekannt, ein Ermittlungsergebnis liegt nicht vor. Offen ist, warum die Leitstelle die Fahrt freigab, obwohl die Lokführerin des Iryo-Zuges gemeldet hatte, der Systemneustart funktioniere nicht. Die Zahl von 69 Toten ist ein Zwischenstand: Am Donnerstagvormittag suchten Rettungskräfte weiter, der Regionalpräsident ist nur »vorsichtig optimistisch«.
Die Ermittler werten den Funkverkehr zwischen Leitstelle und Lokführern aus; er soll eine zentrale Rolle spielen. In Spanien läuft seit Donnerstag eine dreitägige Staatstrauer. Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigte an, die Sicherheit im Bahnverkehr zu verstärken. Einen Zeitplan dafür nennt die Meldung nicht.



