Wenn Versicherer sich zurückziehen: Was Klimaschäden über unseren Umgang mit Risiko verraten
Ein anonymes Memo aus den Chefetagen großer Versicherer, Rückversicherer und Makler sorgt für Aufsehen. Die Botschaft: In immer mehr Regionen könnten Gebäude bald kaum noch versicherbar sein. Der Rückzug folge einem klaren Muster. Erst steigen die Prämien, dann werden Leistungen gestrichen, etwa für Waldbrandschäden, schließlich ziehen sich Anbieter ganz aus Regionen zurück.
Das ist keine ferne Zukunft. In Kalifornien hatten schon 2023 sieben der zwölf größten Versicherer das Neugeschäft mit Wohngebäuden eingeschränkt oder ausgesetzt. Im Ahrtal kostet eine Elementarschadenversicherung teils rund dreimal so viel wie vor der Flut.
Die Insider warnen vor mehr als steigenden Kosten. Verlieren Häuser ihren Schutz, verlieren sie an Wert. Ungedeckte Schäden können Kreditausfälle auslösen, Banken unter Druck setzen und über gebündelte Hypotheken das Finanzsystem erfassen, ähnlich wie 2008. Auch Allianz-Vorstand Günther Thallinger sprach bereits offen von einem systemischen Risiko.
Besonders brisant: Laut Memo werden Risikomodellierer intern gedrängt, Gefahren kleinzurechnen, um Geschäft nicht zu verlieren.
Was daraus folgt
Die Warnung ist ernst, aber sie ist auch ein Wegweiser. Denn Versicherbarkeit ist keine Naturkonstante, sie lässt sich gestalten.
Die Schweiz zeigt, wie das geht: Elementarschäden sind dort in der Gebäudeversicherung verpflichtend mitversichert, getragen von einem solidarischen Modell, das Prämien bezahlbar hält. Kantonale Gebäudeversicherer investieren zudem gezielt in Prävention, weil jeder verhinderte Schaden günstiger ist als jeder bezahlte.
Genau hier liegt der Hebel: Schwammstädte, die Starkregen aufnehmen. Bauvorschriften, die Hochwasser und Hitze mitdenken. Keine neuen Baugebiete in bekannten Risikozonen. Und Versicherer, die ihre Daten nicht verschweigen, sondern Kommunen und Eigentümern zur Verfügung stellen.
Die Insider selbst fordern Politik und Aufsicht auf, die wachsende Schutzlücke anzuerkennen. Das ist der erste Schritt. Der zweite: Klimaanpassung nicht als Kostenfaktor zu sehen, sondern als Versicherung für unsere Häuser, unsere Ersparnisse und die Stabilität des Finanzsystems.
Der Text verbindet konkrete Zahlen mit dem Schweizer Vorbild und klaren Handlungsoptionen, blendet aber Kosten, Hürden und die Unsicherheit der anonymen Quelle aus.
Stark ist, dass der Text nicht beim Problem stehen bleibt: Er nennt das solidarische Schweizer Modell, Prävention, Bauvorschriften und offene Risikodaten als Wege aus der Versicherungslücke. Belege wie die kalifornischen Versicherer 2023 oder die verdreifachten Prämien im Ahrtal machen das Ganze greifbar. Es fehlt jedoch eine ehrliche Einordnung: Ein anonymes Memo bleibt eine schwer prüfbare Quelle, und was das Schweizer Modell kostet oder warum es sich anderswo kaum durchsetzt, bleibt offen. Der Vergleich mit 2008 ist zugespitzt. Mehr Offenheit über Unsicherheiten und Gegenargumente würde den Text überzeugender machen.
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